Einleitung

Bereits im Jahr 2000 hat die Zeitschrift FOCUS auf das Trinkwasser-Problem in Tansania hingewiesen. Geändert hat sich bis heute wenig...

Zur Einführung in die Problematik ein Bericht aus der Zeitschrift FOCUS vom 15.04.2000:

„Durch Fluorid im Trinkwasser werden Tausende von Kindern in Tansania zu Krüppeln. Abhilfe ist nicht in Sicht.
Der 19-Jährige ist klein wie ein Achtjähriger. Sein Rücken wirkt verzogen, der Kopf unförmig, die Beine gleichen einem O. Apathisch steht Seuri Loshoki vor Anna Mollel, die unter einem Affenbrotbaum in Lemongo ihre Sprechstunde abhält.

In dem staubigen Dorf in der Steppe Nordtansanias hat sich zur Armut eine leise wütende Krankheit gesellt: Dutzende Kinder mit grotesk verkrümmten Beinen, verunstalteten Armen und Rümpfen wanken zu der Ärztin unter den Affenbrotbaum. Manche kommen mit ihren tief gebeugt gehenden Eltern. „Diese Menschen sind Krüppel, weil sie das falsche Wasser trinken“, erklärt die Chefin eines Behindertenprojekts der Freiburger Hilfsorganisation Caritas International. Das Was-ser in Lemongo stammt aus einer Quelle am nahe gelegenen Berg, einem ruhenden Vulkan.
Wasser aus Vulkangestein enthält viel Fluorid, weiß der Orthopäde Jürgen Franke, Leiter des Reha-Zentrums für Osteologie – Knochenheilkunde – im thüringischen Bad Langensalza. In kleinen Dosen schützt Fluorid vor Karies und Knochenschwund, in größeren zerstört es Zähne und Knochen. Es kommt zur Fluorose: Die Zähne verfärben sich braun, die Knochen verdichten sich. Im fortgeschrittenen Stadium verknöchern die Bänder der Gelenke, die Wirbelsäule versteift.

In Indien und China zeigen 200 Millionen Menschen Symptome dieser Krankheit. Besonders schlimm aber ist die Situation in Teilen Nordtansanias. Hier wurden in manchen Dörfern über hundert Milligramm Fluorid pro Liter Trinkwasser festgestellt. Unter europäischen Lebensbedingungen beginnt bei vier Milligramm die Knochenfluorose.

Fluorid im Wasser wirkt in Afrika besonders stark. Die meist körperlich arbeitenden Menschen trinken viel, und beim Schwitzen wird weniger Fluorid aus dem Körper entsorgt als durch den Urin. Die einseitige Ernährung mit Maisbrei führt zu einem Mangel an Proteinen, Calcium und Vitamin D. Hinzu kommt die Gewohnheit, dem Kochwasser sodahaltiges Steinmehl beizugeben. Das verkürzt die Kochzeit für Bohnen, enthält aber viel Fluorid.
Ein besonderes Krankheitsbild zeigen Kinder: In ihrem schnell wachsenden Skelett erweichen die Knochen. „Die Symptome dieser so genannten Kenhardtschen Erkrankung ähneln denen einer schweren Rachitis“, sagt Franke. „Hinzu kommen Wachstumsverzögerungen.“

In Lemongo zeigt jedes zweite der 2600 Kinder Knochenverformungen. In der Familie Namuaki hat das unheimliche Wasser schon mehreren Generationen das Leben zerstört. Endavokai Namuaki, 32, lebt kriechend am Boden einer Lehmhütte. Ihre Schmerzen lindert Aspirin. 1971 brachte Mutter Lota, 57, die Tochter ins Krankenhaus. „Der Arzt zuckte nur mit den Schultern und riet mir, der Kleinen proteinreiches Essen zu geben“, berichtet die ebenfalls gebückt gehende Mutter und deutet auf Enkeltochter Sophias verbogene Beine.

Als einzige Hilfsorganisation kümmert sich das Caritas-Behindertenprojekt um Fluorid-Opfer. Nicht mehr gehfähigen Kindern vermitteln die Helfer komplizierte Operationen. Bei der so genannten Osteotomie durchtrennen die Chirurgen mehrfach die Knochen, nehmen Teile heraus und setzen sie an anderer Stelle wieder ein. Es folgen drei Monate in Gips und die Rehabilitation im Caritas-Behindertenzentrum von Monduli bei Arusha. „Die Kinder blühen auch psychisch auf“, sagt Anna Mollel. „Nur: Solange das Wasser nicht in Ordnung ist, bleibt der Sinn solcher Operationen zweifel-haft.

Noch weiß niemand, wo gesundes Wasser herkommen soll. Das Bohren von Brunnen in tiefere Grundwasserschichten wäre bei der zerstreut lebenden Bevölkerung zu aufwändig – und womöglich enthält das tief gelegene Wasser noch mehr Fluorid. Auch die chemische Behandlung des Wassers ist teuer und könnte nach Ansicht von Experten die traditionell lebenden Dorfbewohner überfordern.

Vielleicht wäre es sinnvoll, wenn Dorfgemeinschaften wie in Lemongo umsiedelten. Doch bislang existiert noch nicht einmal eine Bestandsaufnahme, wo in Tansania das Wasser gesund ist.“

Grundlagen mit weltweiter Gültigkeit

Von durch Fluor ausgelösten Erkrankungen (medizinisch: Fluorosen) sind weltweit Menschen in Vulkanregionen betroffen, die ihr Trinkwasser aus Grundwasser, Brunnen oder direkt aus Risiko-Quellen mit erhöhtem Fluorgehalt entnehmen.

Fluor/Fluorid ist eine der weltweit bedeutendsten Trinkwasserverunreinigungen. In Ostafrika wird Fluor deshalb mit Unterstützung von Forschern (z.B. aus der Schweiz) unter Verwendung von „Knochenkohle“ aus dem Wasser gefiltert. In diesem Zusammenhang wurde ein Computermodell entwickelt, um damit das regionale Risiko für erhöhte Fluoridwerte zu berechnen – auch für Regionen, in denen noch keine Fluoridmessungen gemacht worden sind. Gespeist wurde das Modell mit vorhandenen Fluoridmessdaten sowie mit Informationen zur Geologie und zum Klima (2, 3)

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Damit konnten die Wissenschaftler eine Weltkarte erstellen und beispielsweise voraussagen, dass auch auf einem ausgedehnten Gürtel von Nordafrika über den Mittleren Osten bis nach Zentralasien erhöhte Fluoridwerte zu erwarten sind. In diesen Regionen ist deshalb bei den Heranwachsenden mit bleibenden und gravierenden Schäden an Zähnen und am Skelett-System zu rechnen. Gefährdet sind insbesondere die ärmsten Bevölkerungsschichten, die in abgelegenen Regionen leben:
• ohne kontrollierte Wasserleitungen
• ohne Überprüfung der Wasserqualität
• ohne Zugang zu Energie
• ohne medizinische Versorgung (2,3).

Die Situation in Tansania – Geologie, Geographie, Fakten

Auf der computererstellten Weltkarte finden sich errechnete, aber keine gesicherten Angaben zur Fluorid-Belastung des Trinkwassers für Tansania. Die Weltkarte ergibt nur Hinweise. Sie sollten messtechnisch verifiziert werden.
Sicher ist: Tansania – und hier insbesondere die Vulkan-Regionen - gehören zu den Hochrisiko-Gebieten für Fluorose, die Fluorid-Krankheit.
Nachfolgende geografische Karten von Tansania mit Informationen über zurückliegende und aktuelle vulkanische Tätigkeit. Sie lassen grobe Schlussfolgerungen zu, wo primär mit Fluorid-Belastung des Trinkwassers zu rechnen ist.

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Schema-Grafik: Ostafrikanischer Grabenbruch und Vulkan-Kette

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Geografische Übersicht: UNITED REPUBLIK OF TANSANIA

 

Geologie

• Der Große Afrikanische Grabenbruch (englisch: Great Rift Valley oder East African Rift System (EARS) ist eine Rift-Zone, die sich von Ostafrika nach Südwestasien erstreckt und die Grenze der Arabischen Platte zur Afrikanischen Platte darstellt. Sie ist während der letzten 35 Millionen Jahre entstanden. Es wird angenommen, dass sich von der Afrikaplatte entlang des Grabenbruches eine neu entstehende Platte abtrennt, für die die Bezeichnung Somalia-Platte verwendet wird (4).
• Der Große Afrikanische Grabenbruch ist von seinem nördlichen Ende in Syrien bis zu seinem südlichen Ende in Mosambik rund 6000 Kilometer lang. Die Breite des Tals variiert zwischen 30 und 100 Kilometern, die Tiefe von wenigen hundert bis zu mehreren tausend Metern (4).
• Die tektonische Aktivität, die das Rift Valley formte, schwächte die Erdkruste entlang ihrer Grenzen. Das Gebiet ist deshalb vulkanisch und seismisch aktiv. Es entstanden die Vulkane des Mount-Kenia-Massiv, des Kilimanjaro, Karisimbi, Nyiragongo, Mount Meru, Mount Hanang und Mount Elgon (Uganda/Kenia) sowie das Kraterhochland von Tansania (Ngorongoro-Krater). Der Ol Doinyo Lengai-Vulkan (Heiliger Berg der Maasai, Tansania) ist noch aktiv (4).

Das Fluorid-Problem im Rift Valley

• «Das Fluoridproblem hat im Rift Valley in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen», sagt Peter Mutheki. Er ist für die Wasserqualität verantwortlich bei einem der bedeutendsten Wasserprogramme im kenianischen Teil des Rift Valleys, jenem der katholischen Kirche in Nakuru (CDN). Früher hätten die Bewohner häufig Flusswasser genutzt. Die Flüsse führten allerdings immer weniger Wasser, weshalb immer mehr Grundwasserpumpen gebaut würden.“ (2)
• Grund für die Fluorbelastung ist das vulkanische Gestein, das stark fluoridhaltig ist, sagt Annette Johnson von der EAWAG (Eidgenössische Anstalt für Wasserversorgung, Abwaesserreinigung und Gewässerschutz. Vom Gestein wird das Fluorid ins Grundwasser ausgewaschen. Zudem ist das Rift Valley eine trockene Region. Das Grundwasser wird dort weniger stark verdünnt als an Orten mit viel Regen (2).

Trinkwasser-Situation und Fluorid-Gehalt in Tansania

• Nach heutigem Wissen ist in Tansania mit hohen Fluorid-Konzentrationen im Trinkwasser und mit den damit zusammenhängenden gesundheitlichen Schädigungen an Zähnen und Knochen zu rechnen.
• Das Phänomen „Fluorose“ tritt hier wegen des klimabedingt höheren Wasserkonsums schon bei relativ niedrigen Fluoridkonzentrationen des Wassers auf (4)
• Im täglichen Leben sind diese gravierenden gesundheitlichen Fluorid-Wirkungen und die Häufigkeit für Tansania-Besucher nicht zu übersehen (siehe auch FOCUS-Bericht in der Einleitung)
• Dabei sind bestimmte Regionen (z. B. Maji ya Chai/Region Usa River) besonders betroffen
• Aber auch die Momella-Lakes im Arusha-Nationalpark sind bekannt für den hohen Fluorid- Anteil im Wasser der Seen – und damit auch im Grundwasser

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• Eine systematische Erfassung der Risiko-Gebiete und damit der einzelnen Brunnen und Quellen in Tansania ist nicht bekannt.
• Eine kontrollierte Trinkwasser-Versorgung über Wasserleitungen nach europäischem Vorbild gibt es in erster Linie in Städten und in Gebäuden, bewohnt von Menschen der höheren Bildungs- und Einkommens-Schichten, die sich ggf. auch Filter-Systeme leisten können.
• Ärmere Bevölkerungsschichten, die in der Regel auch in der Peripherie leben, entnehmen ihr Trinkwasser unkontrolliert aus Brunnen, Quellen und Sickerwasser. Und das ist der größte Bevölkerungsanteil. Die Qualität des Wassers ist für diese Personengruppe nicht ersichtlich und hat nur nachgeordnete Bedeutung. Problembewusstsein besteht beiden Betroffenen nicht.

 

Persönliche Erfahrungen durch medizinische Tätigkeiten als Orthopäde und Rehabilitationsmediziner im URRC 

Seit fast 10 Jahren besteht der in Deutschland registrierte gemeinnützige Förderverein URRC e.V., der sich die Aufgabe gestellt hat, das URRC (Usa River Rehabilitation and Training Center) in Tansania bei der Rehabilitation von Heranwachsenden mit primär körperlichen Handicaps fachlich und finanziell zu unterstützen (www.urrc.de). Insofern sind jährliche Einsätze – z.T. mehrfach pro Jahr und längerdauernd – durchgeführt worden.

Unter den vielen gesundheitlichen Problemen der Bevölkerung sind auffallend häufig zu finden:
• Zahnveränderungen (Dental-Fluorose), hier einige Beispiele:

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Dental-/Zahnfluorose

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Dental-/Zahnfluorose bei Geschwistern

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Skelett-Fluorose (hier: Verformungen der langen Röhrenknochen)

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eine Familie mit Skelett-Fluorose, z. T. nach Operationen (Korrektur-Osteotomien);
Abbildung aus dem URRC

 

Medizinische Maßnahmen

Aktuell besteht die medizinische Hilfe in der Region Usa River in der Durchführung von Operationen (z. B. Korrektur-Osteotomien/Achsen-Korrekturen), ausgeführt von der Kinder-Chirurgin Dr. Annemarie Schraml und dem Feuerkinder-Team im Nkoaranga-Hospital/Meru-Diözese.
Die Weiterbehandlung, Nachbehandlung und Gipsversorgung erfolgt in der Abteilung f. Physikalische Therapie im URRC.
Operationen sind zweifellos eine wichtige Maßnahme zur Behandlung der Fluorose-Folgen am Skelett-System.
An dieser Stelle sei aber auch Klaus Töpfer zitiert:

Wenn man sich ausschließlich darauf konzentriert, den Nächsten zu helfen,
zementiert man unbewusst oder unbeabsichtigt die falschen Strukturen.
Du musst auch die Strukturen hinterfragen, die das Leiden verursachen.
Klaus Töpfer
(ehemaliger Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP, von 1987 bis 1994 Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit in der Regierung von Helmut Kohl)

 

Auf der Basis dieser Gedanken sollte über Wege zu einer grundsätzlichen Lösung des Problems nachgedacht werden: Prävention und Prophylaxe.

 

Grundlagen für eine Problemlösung:

• Die Entstehung erhöhter Fluorid-Konzentrationen im Trinkwasser ist relativ gut bekannt (siehe vorherige Ausführungen)
• die Notwendigkeit zur Verhinderung irreversibler gesundheitlicher Schäden (Prophylaxe, Prävention) bereits bei Kindern und Heranwachsenden ist unstrittig
• technische/apparative Möglichkeiten sind erhältlich
• aus verschiedensten Gründen wurde das Problem in Tansania aber bisher nicht konsequent angegangen.

Erste Gedanken/Vorschläge zur Problemlösung:

• 1. Schritt: Definition von Risikogebieten und der dort lebenden Personen/Gruppen
o Fluorid-Messung von Brunnen, Quellen, Sickerwasser
o Zusammenführung der Daten und Kartographische Zuordnung von Koordinaten per GPS
o Einzugsgebiet/Wohngruppen/Betroffene Kinder und Heranwachsende


• 2. Schritt: Messmethodik zur Fluoridbestimmung im Trinkwasser.

o Laborchemische Analysen in Deutschland:
In den zurückliegenden Monaten wurden Messungen der Wasserqualität unter besonderer Berücksichtigung des Fluorid-Gehaltes in anerkannten Laboratorien in Deutschland durchgeführt. Diese Werte dienten als Referenzwerte zum Vergleich der in Tansania durchgeführten Messungen. Wir danken den deutschen Unterstützern (Dr. K. Schwendner und Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit; Dr. L. Sonnenschein/Fa.WeylChem InnoTec GmbH) für die wertvolle Kooperation.

o In Tansania wurden 2 Untersuchungsstellen mit Untersuchungen betraut und deren Ergebnisse mit den Resultaten der in Deutschland durchgeführten Untersuchungen verglichen. Valide Ergebnisse waren von einem Labor in Arusha zu erhalten.


o Einfache Analyse-Methoden vor Ort/am Messpunkt, z.B.
für den praktischen Einsatz in weit verstreuten und abgelegenen Regionen sind die üblichen laborchemischen Untersuchungsmethoden weniger geeignet. Das getestete Labor in Arusha könnte Kooperationspartner in Tansania für ausgewählte Fälle und Kontroll-Untersuchungen sein.

In der medizinischen Diagnostik werden u.a. bei nicht vorhandenem Labor und zur schnellen/einfachen Diagnostik Trockenchemie oder Teststreifen eingesetzt. Von Dr. W. Niedermaier wurde auf die Teststreifen der Fa. Macherey-Nagel zur Fluorid-Diagnostik hingewiesen – vielen Dank dafür. Eine weitere Abklärung ist aber noch erforderlich.


• 3. Schritt: Methodik zur Fluorid-Reduktion im Trinkwasser in Risiko-Gebieten
o Moderne Technik: z.B. Nanofiltration (DBU, Deutsche Bundesstiftung Umwelt; Projekt-Nr. AZ31566; Abschlussbericht vom Mai 2016) (5)

Nachfolgend wird dieses moderne Konzept zur Fluorid-Entfernung aus dem Trinkwas-ser vorgestellt. Es wurde entwickelt in Zusammenarbeit mit der Hochschule Karlsruhe und dem Hai Institute of Technology, Hai-Kilimanjaro, Tanzania.

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Schematische Darstellung des Konzepts zur Fluorid-Entfernung mittels Nano-Filtration
(nachhaltige Trinkwasseraufbereitung von fluoridhaltigen Wässern in Hai bei Moshi/Tansania, in einem eher mittel-städtischen Umfeld)

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Gebäude-Komplex für die Nano-Filtration in Hai/Moshi/Tansania
Interessant, aber für die beschriebene Aufgabenstellung nicht in Erwägung zu ziehen.

o Einfache Methoden für abgelegene und strukturschwache Regionen: Filter-Systeme
  Wo es als Problem erkannt worden ist, wird Fluorid aus dem Trinkwasser entfernt, etwa in Teilen Indiens, der USA und Argentiniens. Dort geschieht das mit Filtern aus aktiviertem Aluminiumoxid. Diese Methode setzt eine aufwendige Infrastruktur voraus, ist für abgelegene Regionen Afrikas also weniger gut geeignet.
 Als man im kenianischen Nakuru vor 20 Jahren angefangen hat, das Fluorid aus dem Trinkwasser zu entfernen, besann man sich auf eine simplere Methode: auf die Filtration mit Knochenkohle. Sie wurde in den Dreißigerjahren bereits in den USA angewandt, später aber dort von verbesserten Verfahren abgelöst.
 Das Grundwasser im Rift Valley, dem ostafrikanischen Grabenbruch, ist, wie bereits ausgeführt, stark fluorbelastet. Hier wird das Fluorid seit einigen Jahren mit Filtern aus verkohlten und gemahlenen Tierknochen aus dem Trinkwasser entfernt. Schweizer Wissenschaftler der Eidgenössischen Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz (EAWAG) unterstützen afrikanische Projekte (2).
 Auf dieser Basis arbeitet der DTP Integrated Defluoridator
• ohne Energie-Bedarf
• robust
• wartungsarm
• bei Tests nachgewiesen wirkungsvoll
• wird in Tansania gefertigt

Nachfolgend eine Beschreibung in englischer Sprache (Original von Prof. Eli Dahi). (7)

DTP Integrated Defluoridator (7)

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• DTP-Defluoridators reduce the amount of fluoride in your water to a level that is safe for drink-ing and cooking, i.e. 0.3-1 mgF/L.
• The filter is designed by Professor Eli Dahi, but its creation and development is based on exten-sive research, including the work of many Ph.D and Masters Students.
• The Defluoridators are robustly built of locally available materials fit for use as drinking water containers.
• The filter material is made from animal bones processed to be fit for human consumption, even babies. It removes the fluoride without removing other healthy components of the water, such as calcium, magnesium and the essential trace elements.
Health Promotion
• It is important to use the defluoridated water for both drinking and cooking. The filter not only removes fluoride from the water but also dirt and all larger pathogens (e.g. amoeba and para-sitic eggs) and it decimates pathogenic bacteria and viruses so that boiling is no longer required.
• This is a further health advantage because boiling also reduces the amount of calcium in water that is good for human skeleton. However, as an extra precaution, it is recommended to boil the water for babies who are less than 1 year old.
• Note: It can be calculated that the cost for defluoridation is less than the cost of water boiling.
Fluoride Removal Capacity
• The Defluoridator has a capacity of removing not less than 60,000 mg of fluoride from the wa-ter. Thus using Arusha water (abt. 5 mg Fluoride/L) at a rate of 18 L/family/day and an average concentration of fluoride in the treated water of 0.5 mg/L the filter is designed to cover the use of drinking and cooking water for a family for 2 years.
Water Quality
• The Defluoridator may initially deliver water of poor organoleptic quality (taste, colour, smell or clearness), due to stagnant water in the filter prior to use and residual powder remaining after the charring process. This is temporary. Although this water is perfectly safe, you may choose to flush your filter by allowing the water to run through your tap until you are satisfied with the smell and taste.
• The filter cannot remove water salinity or alkalinity. Raw water containing a high concentration of Magadi (bicarbonate or baking powder) will still be alkaline after flowing through the filter, but the water would still be perfectly safe for drinking.
Filter Operation
• The filter is designed to deliver water at a relatively slow flow rate to ensure sufficient water contact time with the bone char. Small amounts of water can however be withdrawn from fully open tap. Under normal operation the gate valve upstream the filter remains open to ensure that the bone char remains covered with raw water. Refill takes place automatically as treated water is withdrawn.
• Filter Saturation and Recharge
• After sometime, the filter will become saturated with fluoride and no longer be able to remove fluoride (it would however continue to remove eventual microbial and non- microbial pollu-tion).
• At saturation you will not be able to see or taste a difference in the water so follow the rec-ommended Date of Exhaustion (on the stic
• ker) or send a water sample for Fluoride-testing. At this time, DTP will come and “recharge” the filter with new bone char.
Troubleshooting your Filter
• Occasionally, maybe after holidays, you may find no water flowing through the filter. Check the gate valve first. If open check the ball valve in the filter; it may be stuck in close position and needs to be loosen.
• In case water starts overflowing from the top of the filter the gate valve has to be closed and the filter ball valve has to be cleaned or adjusted.
• In case of doubt about the whether the filter is exhausted (no longer removing the fluoride) you have to send a sample for testing.


Validierung der DTP-Filter-Wirkung im Jahr 2018 durch den Förderverein URRC e.V.:
Messung der Wasserqualität (insbesondere Fluoridgehalt) an unterschiedlichen Stellen in verschiedenen Regionen durch die o.g. Partner-Institute: Brunnen-, Quellen und Leitungswasser. Der Ausgangswert vor einer Filterung diente der Indikationsprüfung für einen Filtereinsatz und gleichzeitig als Referenzwert zur Beurteilung der Filterwirkung:
• Messung vor Filterung
• Kontroll-Messung nach Filterung
• Alle Messungen zur Beurteilung des DTP-Filters wurden in den vorgenannten deutschen Instituten durchgeführt
• Zusammenfassung:
o Die in der Arbeit von Prof. Eli Dahi beschriebene positive Wirkung wurde bestätigt.
o Der DTP-Filter bietet sich somit für den Einsatz in abgelegenen Gebieten und damit für dieses Projekt an

Erste Aktivitäten:

• Installation des ersten DTP-Filters durch den Förderverein URRC e.V.

 

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2019 Installation eines DTP-Filters im Haus von Mama Daima und deren Familie in

Maji ya Chai (nachgewiesenes Risiko-Gebiet)

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Wasserstelle für die Bewohner von Maji ya Chai mit (gemessen) erhöhtem Fluorid-Wert

 

Weitere Aktivitäten sind angedacht:
• Weitere Filter für eine umschriebene Region (z.B. „Siedlung Maji ya Chai“)
• Erprobung der Anwendbarkeit einfacher Messmethoden (Fluorid; Teststreifen)
• Versuch der Entwicklung einer regionalen Kartographie unter Verwendung von GPS-Daten
• Erfassung der Bedürftigkeit bei kinderreichen Familien
• Sukzessive Test-Ausstattung weiterer Haushalte mit DTP-Filtern
• Einweisung und Einrichtung
• Filterwechsel nach Vorgaben
• Jährliche Überprüfung und Entscheidung zur Beendigung, Fortführung oder Erweiterung
• Kosten:
o Anschaffung eines Filter-Systems je Haushalt incl. Betrieb pro Jahr: ca. 100€
o Finanzierung durch Spenden oder Familien-Patenschaften?

Quellen-Angabe

(1) Bergamin, Fabio; Nakuro; (Tagesanzeiger, 17.Juni 2010)
(2) EAWAG (Eidgenössische Anstalt für Wasserversorgung, Abwaaaerreinigung und Gewässer-schutz für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz
(Swiss Federal Institute of Aquatic Science and Technology), Forschungsanstalt des ETH-Bereichs in Dübendorf bei Zürich und in Kastanienbaum bei Luzern
(3) HEKS (Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz)
Seminarstrasse 28, CH - 8042 Zürich
(4) WIKIPEDIA
(5) DBU Deutsche Bundesstiftung Umwelt Projekt-Nr. AZ31566, Abschlussbericht vom Mai 2016)
(6) Focus vom 15.04.2000
(7) Prof. Env Ing (Rtd) Eli Dahi (www.tech.de-fluoride.net)

 

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