Am 19.12.2008 kam das Mädchen Saumu als Tochter muslimischer Eltern in ärmlichen Verhältnissen in Pangani/Tansania am Indischen Ozean mit einer Spina bifida (= „offener Rücken“) zur Welt. Aus diesem Grund erfolgte eine operative Behandlung in Tansania. Die Schäden am Rückenmark waren gravierend und wurden in der Folgezeit immer deutlicher: es zeigte sich eine fast komplette Querschnittslähmung mit Aufhebung der Sensibilität, fehlende Muskel-Funktionen an beiden unteren Extremitäten, zusätzlich Störung von Blasen- und Darmfunktion. Da eine adaequate medizinische Versorgung nicht möglich war, bewegte sich das Kind nur mit Hilfe der Arme und Rumpfmuskulatur kriechend am Boden. Immer wieder kam es wegen der Gefühlsstörung zu schlecht heilenden Hautverletzungen. An beiden Füßen entwickelten sich außerdem Klumpfuß-Deformitäten.

Das soziale Umfeld war noch dazu problematisch: beide Elternteile waren verstorben – Saumu damit Vollwaise. Bei Verwandten fand Saumu Familien-Anschluss. Da sie keinen Beitrag zur Lebensführung leisten konnte, belastete sie die in ärmlichen Verhältnissen lebende „neue“ Familie zusätzlich. Zu einem Schulbesuch kam es nicht.

georg hopfIn dieser Situation wurde der zeitweise in Tansania lebende Deutsche Georg Hopf auf Saumu aufmerksam.

Er hatte Mitgefühl mit der hilflosen Heranwachsenden, versuchte das Kind selbst und die überforderte Familie finanziell zu unterstützen. 2016 nahm er mit dem URRC (fast 500 km vom Wohnort Pangani entfernt) Kontakt auf, um wegen medizinischer Therapie-Möglichkeiten nachzufragen.

Saumu wurde in der Folgezeit regelmäßig mit Begleitpersonen in die Klumpfuß-Abteilung des URRC gebracht. Folgende Maßnahmen wurden getroffen:

• Beurteilung der gesundheitlichen Situation und realistische Prognosestellung mit Unterstützung verschiedenster Fachdisziplinen
• ausführliche Aufklärung der Familie zu den eingeschränkten Behandlungsmöglichkeiten, Perspektiven und Chancen (u.a. schulische Bildung als Zukunfts-Chance)
• Wundbehandlungen
• Hilfsmittelversorgung (z.B. Kinder-Rollstuhl, Schienen-Versorgung, etc.)
• Konservative Klumpfußbehandlung
• Physiotherapie, Krankengymnastik, Selbsthilfetraining
• Anleitung zum selbständigen Üben

 

behandlung saumos urrc
Saumu zur Behandlung im URRC
(im Hintergrund v.l.n.r. Physiotherapeutin Paulina, Sr. Grace, Leopold, Dr. Miriam Triebel)

Nach monatelangen Behandlungen waren erste Verbesserungen festzustellen. Die aufgeweckte Saumu beteiligte sich an allen Maßnahmen engagiert, erlernte sehr schnell den Umgang mit dem Rollstuhl und zeigte sich sehr interessiert an der Möglichkeit einer schulischen Ausbildung. Die Erziehungsberechtigten verhielten sich ambivalent. Obwohl ein Platz an der einzigen Schule für junge Menschen mit körperlichen Handicaps in einer kirchlichen Einrichtung in Faradja/Tansania denkbar war, scheiterte der erste Versuch an den Angehörigen, deren muslimischem Glauben und fehlender Bereitschaft für eine finanzielle Beteiligung. Zu diesem Zeitpunkt brachte sich der bereits erwähnte Georg Hopf verstärkt persönlich ein, suchte nach Lösungen und nahm Reise-Strapazen auf sich, um Saumu´s Zukunft möglichst zu verbessern. Bei einer dieser körperlich sehr belastenden Reisen ist Georg Hopf verstorben.

Saumu´s „neue“ Familie setzte die begonnen Behandlungen von diesem Zeitpunkt an nicht fort und auch die Schul-Pläne wurden nicht verfolgt. So bemühte sich im Frühjahr 2018 der Förderverein URRC e.V. um eine endgültige Klärung der Situation.

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Saumu im Frühjahr 2018 im URRC (im Hintergrund v.l.n.r. Tante, W. Zink, Leopold, Onkel, Papa Simon aus dem URRC)

Es wurde ein erneuter gesundheitlicher Status erhoben und letztendlich unter Beteiligung der Erziehungsberechtigten die Teilnahme des Mädchens am Aufnahmeverfahren für die Schule in Faradja vorbereitet.
Nachdem sich der Verein bereit erklärt hatte, die Schulgebühren und die Kosten für die Familienheimfahrten während der Ferien zu tragen, konnte Saumu Anfang 2019 zum Schuljahresbeginn doch noch die Schulbildung in Faradja beginnen. Alle Zahlungen erfolgen direkt an die Einrichtung.

saumo schule faradia
Saumu in der Schule in Faradja im März 2019

Wegen unzureichender Grundlagen besucht Saumu momentan allerdings noch die Vorschule. Über die Ostertage 2019 wird sie die erste Familienheimfahrt in den 450 km entfernten Heimat-Ort am Indischen Ozean antreten.
Bei weiterhin positivem Verlauf sollte ein Grundschul-Abschluss erreichbar sein, dem evtl. noch der Besuch einer Secondary School (z.B. in Usa River) folgen könnte ...

Der letztendlich doch noch erreichte Schulbesuch ist in erster Linie unserem Vereinsmitglied Mona Behninger, ihrer tansanischen Kollegin Sophia Moshi (beide z. Zt. im URRC bei der Implimentierung von SETU = Special Education and Training Unit tätig) ...

sophia moshi mona behninger
Sophia Moshi und Mona Behninger

... und der inzwischen nach Deutschland zurückgekehrten Physiotherapeutin Karolin Steuer zu verdanken.

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Physiotherapeutin Karolin Steuer

Wir alle hoffen, dass Saumu sich gut weiter entwickeln wird und sie diese große Chance nutzen wird.

Update Oktober 2019:

Aktuelle Bilder von Saumu in der Schule für Behinderte in Faradja - es geht ihr gut.

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Über den weiteren Verlauf wird berichtet.

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